Zygomatische Implantate werden nicht im Kieferknochen verankert, sondern im Jochbein. Dadurch lässt sich ein Oberkiefer auch dann fest versorgen, wenn dort so wenig Knochen vorhanden ist, dass herkömmliche Implantate keinen Halt mehr finden — und ein Knochenaufbau lässt sich in vielen Fällen vermeiden. In der Auswertung von 46 klinischen Studien lag ihre Verlustrate bei 0,69 Prozent.1

Für viele Patientinnen und Patienten ist das die Antwort auf einen Satz, den sie vorher schon einmal gehört haben: „Bei Ihnen geht kein Implantat mehr.“ Dieser Beitrag erklärt, worauf diese Methode beruht, für wen sie in Frage kommt — und für wen nicht.

Was sind zygomatische Implantate?

Zygoma-Implantate sind deutlich längere Implantate, die den zurückgebildeten Oberkieferknochen überbrücken und im Jochbein (lateinisch Os zygomaticum) Halt finden. Das Jochbein ist kompakter als der Oberkieferknochen und bildet sich nach Zahnverlust nicht zurück — deshalb steht es auch dann noch als Verankerung zur Verfügung, wenn der Kieferkamm längst geschwunden ist.

Der Unterschied zum klassischen Weg liegt in der Reihenfolge. Normalerweise gilt: zu wenig Knochen, also erst Knochen aufbauen, dann implantieren. Bei der zygomatischen Technik entfällt dieser Zwischenschritt häufig, weil nicht der fehlende Knochen ersetzt, sondern ein vorhandener genutzt wird. Wie ein Knochenaufbau abläuft und wann er trotzdem der bessere Weg ist, steht auf unserer Seite zum Knochenaufbau.

Die Methode kommt vor allem in Betracht bei Patientinnen und Patienten, die

  • im Oberkiefer ausgeprägten Knochenschwund haben,
  • bereits einen erfolglosen Implantatversuch hinter sich haben,
  • seit Jahren eine herausnehmbare Prothese tragen,
  • oder für einen Knochenaufbau nicht in Frage kommen.

Warum der Oberkieferknochen nach Zahnverlust schwindet

Kieferknochen erhält sich durch Belastung. Solange eine Zahnwurzel beim Kauen Kraft in den Knochen leitet, wird er umgebaut und bleibt erhalten. Fällt diese Belastung weg, baut der Körper das Gewebe ab, das er nicht mehr braucht — im Oberkiefer schneller als im Unterkiefer, weil der Knochen dort von vornherein weicher ist und von unten zusätzlich die Kieferhöhle an Raum gewinnt.

Für ein herkömmliches Implantat braucht es aber ein Mindestmaß an Höhe und Breite. Ist das nicht mehr gegeben, stehen üblicherweise diese Wege offen:

  • Sinuslift — der Boden der Kieferhöhle wird angehoben und der gewonnene Raum mit Knochen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt. Wie das im Einzelnen abläuft, beschreibt unsere Seite zum Sinuslift.
  • Knochenaufbau am Kieferkamm, mit eigenem Knochen oder Ersatzmaterial.
  • Zygomatische Implantate — statt Knochen aufzubauen, wird die Verankerung dorthin verlegt, wo tragfähiger Knochen noch vorhanden ist.

Welcher dieser Wege der richtige ist, entscheidet nicht der Wunsch nach der schnellsten Lösung, sondern das dreidimensionale Röntgenbild. Ein Knochenaufbau ist kein Rückschritt — er ist bei ausreichender Restsubstanz oft die naheliegendere Wahl.

Was die Studienlage sagt

Weil die Methode aufwendiger klingt, wird oft angenommen, sie sei auch unsicherer. Die Datenlage sagt etwas anderes.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 2021 in der Fachzeitschrift Biology veröffentlicht, wertete 4 randomisierte kontrollierte Studien, 19 prospektive und 20 retrospektive Untersuchungen sowie 3 Fallserien aus. Das Ergebnis:1

Zygomatische ImplantateHerkömmliche Implantate
Ausgewertete Implantate1.8953.549
Verlustrate0,69 %2,89 %
Prothetische Komplikationen4,9 %
Komplikationen der Kieferhöhle4,7 %
Gutiérrez Muñoz et al., Biology 2021. Nachbeobachtung 4 bis 120 Monate.

Die Autoren beziffern das Verlustrisiko herkömmlicher Implantate als 2,1-fach höher als das zygomatischer Implantate.1 Das heißt nicht, dass die zygomatische Technik grundsätzlich die bessere ist — sie wird in aller Regel dort eingesetzt, wo die Alternative nicht ein normales Implantat, sondern gar kein festsitzender Zahnersatz wäre. Es heißt aber: Der Ruf, diese Methode sei ein riskanter Sonderweg, deckt sich nicht mit dem, was über tausend ausgewertete Implantate zeigen.

Ebenfalls dokumentiert und ebenso ehrlich zu nennen: Komplikationen an der Kieferhöhle traten in 4,7 Prozent der Fälle auf.1 Genau deshalb gehört dieser Eingriff in die Hände von Behandlern, die ihn regelmäßig durchführen, und nicht in ein Gelegenheitsprogramm.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung folgt einer festen Reihenfolge, in der die Planung den größten Teil ausmacht.

  1. Befund und dreidimensionale Bildgebung. Eine DVT-Aufnahme zeigt Knochenangebot, Lage der Kieferhöhle und Verlauf der Nerven. Erst dieses Bild beantwortet die Frage, ob zygomatische Implantate überhaupt der richtige Weg sind oder ob ein Knochenaufbau das bessere Ergebnis bringt.
  2. Planung der Implantatpositionen. Winkel und Länge werden vorab festgelegt — bei dieser Technik ist die Planung entscheidender als bei jedem anderen Implantat, weil der Weg vom Kieferkamm ins Jochbein an Kieferhöhle und Nachbarstrukturen vorbeiführt.
  3. Der chirurgische Eingriff. Die Implantate werden gesetzt und im Jochbein verankert.
  4. Provisorische Versorgung. Ob und wann eine provisorische Brücke eingesetzt werden kann, hängt davon ab, wie fest die Implantate im Knochen sitzen. Diese Entscheidung fällt im Eingriff, nicht vorher.
  5. Endgültiger Zahnersatz nach der Einheilung.

Wie viele Termine und wie viel Zeit dafür in Ihrem Fall nötig sind, lässt sich vor dem Röntgenbild nicht seriös sagen — dafür entscheidet zu viel an Ihrem Befund. Den allgemeinen Ablauf einer Implantatbehandlung beschreibt unsere Seite zum Zahnimplantat-Verfahren.

Zygomatisch, All-on-4 oder herkömmlich: was wann passt

Diese drei Wege stehen nicht in Konkurrenz zueinander — sie beantworten unterschiedliche Ausgangslagen.

AusgangslageNaheliegende Versorgung
Einzelne Lücke, Knochen ausreichendEinzelimplantat
Mehrere Zähne fehlen, Knochen ausreichendMehrere Implantate mit Brücke
Kiefer zahnlos, Knochen im Frontbereich noch tragfähigAll-on-4 oder All-on-6
Kiefer zahnlos, Oberkieferknochen weitgehend abgebautZygomatische Implantate
Die Einordnung ersetzt keinen Befund — sie zeigt nur, welche Frage jeweils beantwortet wird.

Wenn im vorderen Oberkiefer noch tragfähiger Knochen vorhanden ist, kommt häufig eine Versorgung auf vier Implantaten in Frage; wie diese aufgebaut ist, erklärt unsere Seite zu All-on-4. Fehlen nur einzelne Zähne, führt der Weg über Implantate für mehrere Zähne — und geht es um einen sichtbaren Frontzahn, gelten eigene ästhetische Anforderungen, die wir im Beitrag zum Frontzahn-Implantat beschreiben.

Für wen die Methode nicht in Frage kommt

Vor jeder Entscheidung stehen einige Punkte, die geklärt sein müssen — und manche davon sprechen gegen den Eingriff oder verschieben ihn nach hinten:

  • Eine Entzündung der Kieferhöhle. Der Weg des Implantats führt an ihr vorbei; sie wird vorher behandelt.
  • Entzündetes Zahnfleisch oder unbehandelte Karies an Restzähnen. Beides wird zuerst versorgt.
  • Ausreichendes Knochenangebot. Ist genug Knochen vorhanden, ist ein herkömmliches Implantat der einfachere und ebenso verlässliche Weg.
  • Allgemeinerkrankungen und Medikamente, die die Knochenheilung beeinflussen — sie gehören vollständig in die Anamnese.

Diese Liste ist auch ein brauchbarer Maßstab für ein Angebot: Wer Ihnen zygomatische Implantate vorschlägt, ohne eine dreidimensionale Aufnahme gesehen zu haben, hat die Grundlage für diesen Vorschlag noch nicht.

Behandlung in der Türkei: worauf es bei diesem Eingriff ankommt

Zygomatische Implantate sind kein Routineeingriff. Die entscheidende Frage bei einer Behandlung im Ausland lautet deshalb nicht, was sie kostet, sondern wie oft sie dort durchgeführt wird und wer sie durchführt.

Erfahrung lässt sich behaupten — oder belegen. Implantathersteller führen öffentliche Verzeichnisse über die tatsächlich gesetzten Implantate einer Klinik. DentSpa setzt jährlich über tausend Straumann-Implantate; die Zahl veröffentlicht Straumann selbst auf seiner Seite zur Zertifikatsprüfung.2 Was dahintersteckt, lesen Sie in unserem Beitrag zum Straumann Achievement Award.

Der Preisunterschied zu Deutschland ist real — Patientinnen und Patienten aus dem deutschsprachigen Raum sparen bei umfangreichen Versorgungen bis zu 75 Prozent. Er entsteht aus dem Kostenniveau vor Ort, nicht daraus, dass weniger gemacht oder anderes Material verwendet wird. Material, Planung und Ausführung folgen bei DentSpa demselben Standard, unabhängig vom Umfang des Falls.

Bei einem Eingriff dieser Größenordnung zählt außerdem, was danach passiert. Genau das prüft die Certification for Excellence in Medical Travel Patient Experience der Global Healthcare Accreditation, die DentSpa erhalten hat: Sie bewertet unabhängig, wie eine Klinik internationale Patientinnen und Patienten aufklärt, begleitet und nach der Behandlung weiterbetreut.3 Die Klinik im Istanbuler Stadtteil Şişli ist zudem vom türkischen Gesundheitsministerium zugelassen, TDB-zertifiziert, nach ISO 9001 und ISO 10002 geprüft und wurde bei den European Awards in Medicine als beste Zahnklinik Europas in der Kategorie Odontologie ausgezeichnet.

Wie eine Behandlungsreise praktisch abläuft, was die Krankenkasse beiträgt und was im Preis nicht enthalten ist, haben wir im Leitfaden Zähne machen lassen in der Türkei ausführlich beschrieben.

Ihren Befund einschätzen lassen

Ob zygomatische Implantate bei Ihnen möglich sind, entscheidet sich an Millimetern Knochen — und die sieht man nur auf einer Aufnahme. Senden Sie Ihr vorhandenes Röntgenbild oder Ihre DVT über die kostenlose Online-Beratung. Sie bekommen eine Einschätzung dazu, welche Versorgung in Ihrem Fall realistisch ist, ob ein Knochenaufbau der bessere Weg wäre und worauf es bei Ihrer Ausgangslage ankommt — auf Deutsch, und mit der Begründung dazu, warum etwas empfohlen wird und warum manches eben nicht.

Das müssen Sie uns nicht glauben: Wie Patientinnen und Patienten aus dem deutschsprachigen Raum ihre Behandlung erlebt haben, lesen Sie in den verifizierten Bewertungen bei Trustpilot und Google, und echte Ergebnisse zeigen wir laufend auf Instagram.

Häufig gestellte Fragen

Was sind zygomatische Implantate?

Zygomatische Implantate sind besonders lange Zahnimplantate, die nicht im Oberkieferknochen, sondern im Jochbein verankert werden. Das Jochbein ist kompakter als der Oberkiefer und bildet sich nach Zahnverlust nicht zurück. Dadurch lässt sich ein Oberkiefer auch dann fest versorgen, wenn dort für herkömmliche Implantate zu wenig Knochen vorhanden ist.

Sind zygomatische Implantate sicher?

Die Datenlage ist gut dokumentiert. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wertete 1.895 zygomatische Implantate aus und ermittelte eine Verlustrate von 0,69 Prozent, gegenüber 2,89 Prozent bei 3.549 herkömmlichen Implantaten. Komplikationen an der Kieferhöhle traten in 4,7 Prozent der Fälle auf. Entscheidend ist die Erfahrung des Behandlers, da der Eingriff technisch anspruchsvoller ist als ein Standardimplantat.

Ersetzen zygomatische Implantate den Knochenaufbau?

In vielen Fällen ja, weil nicht der fehlende Knochen ersetzt, sondern ein vorhandener genutzt wird. Das macht die Methode aber nicht automatisch zur besseren Wahl: Ist im Kiefer noch ausreichend tragfähiger Knochen vorhanden, ist ein herkömmliches Implantat — gegebenenfalls nach Sinuslift oder Knochenaufbau — der einfachere Weg. Welcher Weg passt, zeigt die dreidimensionale Aufnahme.

Für wen kommen zygomatische Implantate in Frage?

Vor allem für Patientinnen und Patienten mit ausgeprägtem Knochenschwund im Oberkiefer, für langjährige Prothesenträger, nach einem erfolglosen Implantatversuch oder wenn ein Knochenaufbau nicht in Frage kommt. Voraussetzung ist außerdem, dass Kieferhöhle und Zahnfleisch entzündungsfrei sind und Allgemeinerkrankungen sowie Medikamente in der Planung berücksichtigt wurden.

Wie lange dauert die Behandlung mit zygomatischen Implantaten?

Das hängt vom Befund ab und lässt sich vor der dreidimensionalen Aufnahme nicht seriös beziffern. Der Ablauf umfasst Befund und Planung, den chirurgischen Eingriff, gegebenenfalls eine provisorische Versorgung und nach der Einheilung den endgültigen Zahnersatz. Ob eine provisorische Brücke früh eingesetzt werden kann, entscheidet sich daran, wie fest die Implantate im Knochen sitzen — und das zeigt sich erst im Eingriff.

Was ist der Unterschied zu All-on-4?

All-on-4 verankert eine feste Brücke auf vier Implantaten im Kieferknochen und setzt voraus, dass im vorderen Bereich noch tragfähiger Knochen vorhanden ist. Zygomatische Implantate kommen dort ins Spiel, wo dieser Knochen weitgehend abgebaut ist, und verlagern die Verankerung ins Jochbein. Häufig werden beide Techniken in einem Kiefer kombiniert.

Warum baut sich der Oberkieferknochen nach Zahnverlust ab?

Kieferknochen erhält sich durch Belastung. Leitet keine Zahnwurzel mehr Kaukraft in den Knochen, wird er abgebaut. Im Oberkiefer geschieht das schneller als im Unterkiefer, weil der Knochen dort weicher ist und die Kieferhöhle von oben zusätzlich an Raum gewinnt. Deshalb ist gerade der zahnlose Oberkiefer häufig der schwierigere Fall.

Wie lange halten zygomatische Implantate?

Belastbare Aussagen dazu liefern die ausgewerteten Studien mit Nachbeobachtungszeiträumen von vier bis 120 Monaten; die Verlustrate lag dort bei 0,69 Prozent. Wie lange eine Versorgung im Einzelfall hält, hängt wie bei jedem Implantat von der Mundhygiene, von regelmäßigen Kontrollen und von der Ausgangssituation ab.

Quellen